E-Booktipps Archiv

@Roger Frei, Zürich

Im E-Booktipp Archiv werden E-Booktipps gesammelt, die bei den Lesetipps nicht mehr auffindbar sind. Durch Klick auf den Button unterhalb des Buchcovers gelangen Sie direkt zum Buch auf der Homepage der Digitalen Bibliothek Ostschweiz. Die Onleihe ist im Erwachsenenabo der Bibliothek inbegriffen.


Als sein Vater im Sterben liegt, fliegt Gadi aus der Schweiz nach Isreal. Sein Vater hinterlässt ihm ein Tagebuch und äussert einen letzten Wunsch: Die Hälfte seiner Asche soll in den Tigris gestreut werden. Die Tagebucheinträge des verstorbenen Vaters verknüpfen sich mit der Wirklichkeit und die Reise nach Bagdad wird mit seinen Erinnerungen ausgeschmückt.
 

Aufgrund der Thematik der Judenverfolgung und des Nationalsozialismus erzeugt das Buch eine gewisse Schwere, die jedoch durch die poetische, blumige Sprache aufgelockert wird. Eine lehrreiche, eindringliche und sprachlich unvergleichliche Lektüre. So präsentiert sich das neueste Buch des irakisch-schweizerischen Schriftstellers und Übersetzers Usama Al Shahmani.

 

 


Medea, eine Figur der griechischen Mythologie, deren Geschichte viele Gesichter hat. Sie macht ihrem Beinamen «Hexe von Kolchis» gleich zu Beginn alle Ehre, indem sie ihren Bruder in ein Schwein verwandelt – in meinen Augen zu recht, denn nicht nur ihr Vater quält sie, sondern auch ihr Bruder. Dadurch offenbart sich ihr Potential: Sie ist mächtig, aber noch immer beeinflusst von ihrem Vater. Bis Jason auftaucht, der Anführer der Argonauten, in den sie sich verliebt und der ihr die Freiheit bringen soll.
 

Besonders gefallen hat mir bei der Interpretation dieser Sage die Beschreibung von Medeas Magie und ihre Verbindung zu Hekate, der Göttin der Nekromantie. Wer sich etwas in der griechischen Mythologie auskennt, wird auch auf alte Bekannte stossen: Odysseus, das begehrte goldene Vlies, Circe oder auch Theseus. Medea, eine ambivalente Figur, die hier versucht, aus einem Leben auszubrechen und mit ihren (durchaus auch brutalen) Entscheidungen zurechtzukommen. Wie hätten Sie sich entschieden, wenn Sie über eine so grosse Macht verfügten wie Medea?

 

Als Cosy Fantasy Romance wird das Buch beschrieben und ja, der Anfang startet wunderbar gemütlich in einer Buchhandlung. Doch es steht eine Prüfung an, die jede Hexe an ihrem 30. Geburtstag angehen muss und ab da nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Bella muss sich über einiges klar werden und dabei gibt es Geheimnisse, Verrat, Intrigen und jede Menge Magie. Da bleibt gar nicht mehr viel Zeit für eine romantische Beziehung, was ich aber überhaupt nicht vermisst habe.
 

Ein actionreiches Fantasyabenteuer, bei dem vieles ans Licht kommt und das ich aufgrund von Bella sehr mochte – sie versucht nämlich ihre magischen Fähigkeiten vor den Menschen ohne Magie zu verbergen, ganz so, wie es verlangt wird. Doch kann das gut gehen, wenn selbst die beste Freundin nicht weiss, dass sie eine Hexe ist?
 

 


Anna wagt einen Neuanfang in einem kleinen Fischerdorf in Schottland. Doch auch zweite Chancen haben es in sich und so muss sich Anna den rauhen Wellen stellen, die sie immer wieder umspülen. Doch zum Glück wird in Crovie das Gemeinschaftsgefühl hoch geschätzt, was Sharon Gosling wunderbar zu vermitteln vermag. Und auch das Essen spielt eine grosse Rolle, denn Anna eröffnet kurzerhand ein Pop-up-Restaurant.

 

Ein Buch für all jene, die Wohfühlbücher lieben, sich gerne kulinarisch verwöhnen lassen und auch vor grossen Gefühlen nicht zurückschrecken. Absolut lesenswert und eines meiner persönlichen Lesehighlights 2023.

 

 

Und nochmals haben wir Winter – dieses Mal in Istanbul. Gegenüber Sokcho ist es ein eher langer Winter vor allem auch deshalb, weil viel geschichtlicher Hintergrund erzählt wird.

 

Nikolaus von Kues, auch Cusanus, ist ein deutscher Theologe und Philosoph, und lebte im 15. Jahrhundert. Die philosophischen Ansätze und Glaubensfragen, die ich durchaus interessant fand,  standen für mich jedoch im krassen Gegensatz zu dem “Jetzt”-Strang, den ich für mich persönlich viel lieber etwas mehr ausgeführt gehabt hätte. Auch habe ich erwartet, dass der Sufismus etwas mehr Raum einnehmen würde.

 

Alles in allem aber doch eine schöne, tiefsinnige Erzählung über die Liebe, Selbstfindung und historische Geschichte. Wer das mag, dem sei dieses Buch empfohlen. Ich bin jetzt neugierig auf Istanbul, eine facettenreiche Stadt, die offenbar sehr viel zu bieten hat.

 

 

 

Ein kleines, feines Büchlein über die Suche nach einem Neuanfang - einmal für den französischen Comiczeichner, der in der Abgeschiedenheit die Muse sucht. Auf der anderen Seite eine Angestellte einer Pension mit einem unbekannten französischen Vater und der koreanischen Mutter. Das Buch beschreibt in wunderbaren Bildern die Gegend von Sokcho, das im Winter verschlafen ist und nur die Einheimischen dabehält. Daher bekam ich den Eindruck eines Fischerdorfes, obwohl das mit den ca. 80′000 Einwohnern sicherlich kein Dorf ist. Man bekommt einen Einblick in die Welt von Südkorea, das direkt an der Grenze zu Nordkorea liegt - man rechnet da auch jederzeit wieder mit einem Kriegsausbruch.

 

Eine kurze Lektüre, welches jedoch eine Tiefe hat, die nachhallt - einzigartig geschrieben. Und für mich war das Ende überraschend, ich hatte was anderes erwartet - das war der einzige Wermutstropfen.
 

Ich empfehle die Lektüre neben dem warmen Kamin, mit Tee oder Kaffee, denn die kalte Atmosphäre hat mir ab und an Gänsehaut verursacht.

Eine spannende Lektüre während dem Ende des 15. Jahrhunderts in Japan, das während dieser Zeit zersplittert war und jeder regionale Kriegsherr um die Vorherrschaft kämpfte.

 

Direkt beim Einstieg gab es für mich sehr viele Parallelen zu Shogun von James Clavell. Vieles war vertraut - manchmal schon fast zu vertraut. Doch nach und nach gab es immer mehr Rückblenden zu der Geschichte von Yasuke, dem afrikanischen Samurai, welche ich als sehr interessant, wenn auch sehr hart, empfunden habe.

 

Yasukes Entwicklung, wie er sich selbst sieht, und was die Kultur Japans mit ihm macht, hat mich beeindruckt und auch ein wenig traurig gemacht - denn eigentlich ist der “afrikanische Samurai” auch die Geschichte eines Sklaven, der immer und immer wieder um das Überleben kämpfen musste und schlussendlich immer weitergereicht wurde, bis er in Japan schliesslich als das betrachtet wurde, was er ist: nämlich ein Mensch.