E-Booktipps Archiv

@Roger Frei, Zürich

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Anna wagt einen Neuanfang in einem kleinen Fischerdorf in Schottland. Doch auch zweite Chancen haben es in sich und so muss sich Anna den rauhen Wellen stellen, die sie immer wieder umspülen. Doch zum Glück wird in Crovie das Gemeinschaftsgefühl hoch geschätzt, was Sharon Gosling wunderbar zu vermitteln vermag. Und auch das Essen spielt eine grosse Rolle, denn Anna eröffnet kurzerhand ein Pop-up-Restaurant.

 

Ein Buch für all jene, die Wohfühlbücher lieben, sich gerne kulinarisch verwöhnen lassen und auch vor grossen Gefühlen nicht zurückschrecken. Absolut lesenswert und eines meiner persönlichen Lesehighlights 2023.

 

 

Und nochmals haben wir Winter – dieses Mal in Istanbul. Gegenüber Sokcho ist es ein eher langer Winter vor allem auch deshalb, weil viel geschichtlicher Hintergrund erzählt wird.

 

Nikolaus von Kues, auch Cusanus, ist ein deutscher Theologe und Philosoph, und lebte im 15. Jahrhundert. Die philosophischen Ansätze und Glaubensfragen, die ich durchaus interessant fand,  standen für mich jedoch im krassen Gegensatz zu dem “Jetzt”-Strang, den ich für mich persönlich viel lieber etwas mehr ausgeführt gehabt hätte. Auch habe ich erwartet, dass der Sufismus etwas mehr Raum einnehmen würde.

 

Alles in allem aber doch eine schöne, tiefsinnige Erzählung über die Liebe, Selbstfindung und historische Geschichte. Wer das mag, dem sei dieses Buch empfohlen. Ich bin jetzt neugierig auf Istanbul, eine facettenreiche Stadt, die offenbar sehr viel zu bieten hat.

 

 

 

Ein kleines, feines Büchlein über die Suche nach einem Neuanfang - einmal für den französischen Comiczeichner, der in der Abgeschiedenheit die Muse sucht. Auf der anderen Seite eine Angestellte einer Pension mit einem unbekannten französischen Vater und der koreanischen Mutter. Das Buch beschreibt in wunderbaren Bildern die Gegend von Sokcho, das im Winter verschlafen ist und nur die Einheimischen dabehält. Daher bekam ich den Eindruck eines Fischerdorfes, obwohl das mit den ca. 80′000 Einwohnern sicherlich kein Dorf ist. Man bekommt einen Einblick in die Welt von Südkorea, das direkt an der Grenze zu Nordkorea liegt - man rechnet da auch jederzeit wieder mit einem Kriegsausbruch.

 

Eine kurze Lektüre, welches jedoch eine Tiefe hat, die nachhallt - einzigartig geschrieben. Und für mich war das Ende überraschend, ich hatte was anderes erwartet - das war der einzige Wermutstropfen.
 

Ich empfehle die Lektüre neben dem warmen Kamin, mit Tee oder Kaffee, denn die kalte Atmosphäre hat mir ab und an Gänsehaut verursacht.

Eine spannende Lektüre während dem Ende des 15. Jahrhunderts in Japan, das während dieser Zeit zersplittert war und jeder regionale Kriegsherr um die Vorherrschaft kämpfte.

 

Direkt beim Einstieg gab es für mich sehr viele Parallelen zu Shogun von James Clavell. Vieles war vertraut - manchmal schon fast zu vertraut. Doch nach und nach gab es immer mehr Rückblenden zu der Geschichte von Yasuke, dem afrikanischen Samurai, welche ich als sehr interessant, wenn auch sehr hart, empfunden habe.

 

Yasukes Entwicklung, wie er sich selbst sieht, und was die Kultur Japans mit ihm macht, hat mich beeindruckt und auch ein wenig traurig gemacht - denn eigentlich ist der “afrikanische Samurai” auch die Geschichte eines Sklaven, der immer und immer wieder um das Überleben kämpfen musste und schlussendlich immer weitergereicht wurde, bis er in Japan schliesslich als das betrachtet wurde, was er ist: nämlich ein Mensch.


«Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.» Diese Redewendung trifft auf dieses Buch genau nicht zu!

 

Denn hätte es ein wenig mehr Gespräche oder auch Aussprache gegeben, zwischen Mutter und Tochter, aber auch zwischen Bruder und Schwester oder zwischen Ehemann und Ehefrau, dann hätte sich so vieles früher offenbart und wäre um einiges leichter gewesen. Geheimnisse gibt es in diesem Buch eine ganze Menge, diese werden nach und nach gelüftet, neue kommen hinzu und durch alles zieht sich Scham und Schuld. Dadurch ergibt sich ein enormer Spannungsbogen, der einem durch die Seiten fliegen lässt. Und das trotz eher schweren Themen.

 

Eine einfühlsame, packende und teilweise auch überraschende Familiengeschichte mit einer starken Protagonistin - eigentlich sind es ja zwei starke Frauen, nämlich Mutter und Tochter. Aber auch die Rollen der Männer, Ehemann, Bruder und Freund sind prägend.

 

»Der fesselndste, herausforderndste und zeitgemäßeste Roman des Jahres.» Boston Globe (2024)
 

Dieser Aussage würde ich nur noch das Wort «emotinal» hinzufügen. Tatsächlich hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen und mich sehr aufgewühlt, da ich manchmal über meine eigenen Gedanken erschrocken war. Asher wird des Mordes an seiner Liebe Lily angeklagt, die eines Tages tot aufgefunden wird. Ashers Mutter Olivia ist überzeugt davon, dass ihr Sohn unschuldig ist. Und auch Asher weist jede Schuld von sich. Nach und nach werden jedoch Dinge aufgedeckt, die Asher in keinem guten Licht dastehen lassen.
 

Das Buch beschreibt sehr detailiert den Gerichtsprozess, seine Folgen und allerlei Fakten über Bienen. Manche mögen es als zu detailreich empfinden, ich fand es sehr bereichernd. Auch häusliche Gewalt steht im Zentrum. Die Erzählweise fand ich gelungen und etwas speziell, man erfährt in Rückblenden, was alles passiert ist.
 

Ein für mich wichtiges Buch, da es sehr eindrücklich die Identitätssuche eines Menschen beschreibt und wie nebenher ein Aufruf wirkt, jeden so zu nehmen, wie er ist, und dabei keinerlei Vorurteile zu haben. Eine starke und vor allem wichtige Botschaft.
 

 

Die «Eisraben-Chroniken» faszinieren durch ihren RPG-Charakter. RPG heisst Role-Play-Game und kommt vorwiegend in Computer- und Rollenspieljargon vor. Es bezeichnet das Hineinschlüpfen in einen Charakter, ganz klassisch zum Beispiel in einen Magier, Bogenschützen oder Schwertkämpfer. Dieser wird durch verschiedene Aufgaben, sogenannten Quests, im Level gesteigert, lernt immer mehr Fähigkeiten und verbessert diese. Alexandra McInnes ist querschnittgelähmt und nimmt an einem Experiment teil, bei dem sie ihr Bewusstsein in ein Computerspiel integriert. Indem sie dort agiert, soll ihr Bewusstsein in der Wirklichkeit wieder lernen zu gehen. Schnell wird aus einem Spiel bitterer Ernst …

Packender Schreibstil, sich weiterentwickelnde Charaktere und ein aktuelles Thema – für mich die perfekte Letüre. Immersive Computerspiele werden immer mehr gewünscht: Man will alles erleben, alles fühlen. Wo ist dann die Grenze zwischen Realität und Gamingerlebnis? Denn wenn ich im Spiel sterbe, was passiert in der Wirklichkeit?

Ab sofort sind auch beide Fortsetzungen ausleihbar.


Ein düsteres Buch, gespickt mit Mord, Todschlag, Verrat, Drogen, Erpressung, Folter. Es ist sprachlich für mich ein Desaster. Eine abgehackte, vulgäre Sprache, die mir überhaupt nicht zusagt. Und trotzdem habe ich das Buch zu Ende gelesen, weil es einen unglaublichen Sog hat und die Geschichte Israels aufgreift.

 

Maror, aus dem Hebräischen, bezeichnet die bitteren Kräuter, die am Pessach-Fest gegessen werden. Bitter ist eigentlich die ganze Geschichte, denn - laut Autor - ist dies alles wahr. Und es sind definitiv keine schönen Dinge. So begleitet man Cohen, den korrupten Polizisten, durch mehrere Jahrzehnte, und findet sich wie bereits erwähnt mitten in der Geschichte Israels. Er ist nicht immer die Hauptperson, aber der rote Faden, der sich übrerall verstrickt. Ein Buch, welches mich erschreckt und bedrückt hat. Und doch war da immer die Hoffnung, dass eben doch alles gut wird und sich Frieden einstellt.


Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis 2024
 

Hase und ich ist nicht nur ein Roman, sondern ein Buch gespickt mit Sachinformationen zum Hasen. Dem Feldhasen, wohlverstanden. Wie er lebt, welche Mythologien sich um ihn ranken, wie es ihm heute geht, in dem so vieles mit riesigen Maschinen automatisiert ist - all dies erfährt man in dieser Geschichte. Dazu kommt Chloe, eine Frau, die eigentlich eher der “Business-Class” angehört. Sie geht in ihrem Job auf, reist viel herum, ist immer auf Trab. Diese aussergewöhnliche Begegnung mit dem Hasen stellt auch ihre Welt auf den Kopf oder vielmehr macht sie sich Gedanken über ihr Leben.

Wer mit Sachinformationen, besonders auch historischen, nichts anfangen kann, sollte nicht mit der Lektüre starten. Ich mag das zwischendurch sehr gerne, mein letztes Buch in diese Richtung war H wie Habicht, welches als Hörbuch bei der Onleihe verfügbar ist. Das hat mir damals noch sehr viel besser gefallen, was jedoch an der grösseren Liebe zu fliegenden Tieren denn denen am Boden lebenden geschuldet ist. Wer Tiere besser kennenlernen will, was sie mit einem machen und wie unser Umgang mit ihnen sich ändern, dem empfehle ich beide Bücher.