E-Booktipp im Oktober
Ein Thriller, der nichts beschönigt, und gleichzeitig ein Familien- und Generationenroman: Adama (hebräisch für «Erde») umfasst die Jahre 1945–2009, wechselt immer wieder die Perspektive und hat doch einen roten Faden, nämlich Ruth, eine Israelin. Sie ist das «Herz» des in Palästina entstehenden Kibbuz, einer ländlichen Kollektivsiedlung in Israel mit gemeinsamem Eigentum. Eine schöne Grundidee, die jedoch auch ihre dunklen Seiten hat.
Das Buch zeichnet ein eindrückliches Bild des Kibbuz und der Geschichte Israels. Schonungslos ehrlich. Denn letztendlich wollen alle einfach nur leben.
Wer «Maror» bereits gelesen hat, wird alte Bekannte wiedertreffen, man muss den Vorgänger jedoch nicht gelesen haben. In beiden Büchern sind Gewalt und Tod allgegenwärtig, hier steht Ruth als starke Frauenfigur im Vordergrund, die «Ihr» Kibbuz um jeden Preis schützen will.
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E-Booktipp im September
Die Mutter wird tot aufgefunden, seit etwa zwei Wochen liegt sie in ihrer Wohnug. Die Tochter steht vor dem Erbe und begibt sich auf Spurensuche, denn sie weiss, dass ihre Mutter in den letzten Monaten vor ihrem Tod die grosse Liebe erlebt hat – mit einem Heiratsschwindler, ausschliesslich per Internet. Dabei sind grosse Summen Geld geflossen. Ohne etwas zu beschönigen wird knallhart und mit etwas schludrigem Ton erzählt, wie sich die Mutter verliebt, sich schlussendlich verliert und nur einen einzigen Wunsch hat, nämlich geliebt zu werden.
Neben dem Love Scamming sind die Mutter-Tochter-Beziehung, die Gefühle und die psychologischen Aspekte hervorragend beschrieben. Ein eindrückliches Buch, denn die Geschichte zeigt verständlich auf, warum so etwas - “Wieso fällst Du darauf rein, es ist doch absolut klar, dass das nicht DER Sam sein kann!” - überhaupt passieren kann.
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Buchtipps
Fang Fang, Ich geh jetzt los und bring mich um
Fang Fang ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Chinas. In ihrem neuen Roman erzählt sie von He Hanqing, einer einfachen Frau vom Land, die in ihrer Familie nicht wirklich respektiert und von allen als Dienstmädchen behandelt wird. Eines Tages hat He Hanqing genug und beschliesst, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie sagt sich: "Ihr glaubt wirklich, ich sei zu blöd zum Sterben. Ich geh jetzt los und bring mich um". Doch vor lauter Pflichten, kommt sie gar nicht dazu, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Ein feinfühlig erzählte Geschichte über ein Frauenschicksal in China.
Karsten Dusse, Filmriss auf Immenhof
Die Kriminalpsychologien Sophia gönnt sich zu ihrem 45. Geburtstag ein Wellness-Wochenende auf Gut Immenhof. Dass da dann plötzlich ihr Ex auftaucht und dann kurz daruaf auch nohc spurlos verschwindet, dafür kann sie wahrhaftig nichts. Dass sie am nächsten Morgen aber neben der abgetrennten Hand ihre Exfreundes aufwacht, das ist dann schon ein bisschen seltsam. Dumm nur, dass Sophia am Abend zuvor kräftig gefeiert hat und sich an überhaupt nichts mehr erinnern kann.
Diese abstruse Geschichte, die sich aber völlig logisch auflöst, ist total lustig und unterhaltsam zu lesen. Definitv mehr Komödie als Krimi, aber besser als jede Feierabend-Sopa im TV!
Callan Wink, Bärenzähne
Thad und Hazen leben nach dem Tod des Vaters alleine in ihrem heruntergekommenen Farmhaus im Hinterland von Montana. Sie brauchen nicht viel zum Leben, aber um das undichte Dach zu reparieren, brauchen sie mehr Bargeld, als sie mit Holzfällen verdienen. Sie lassen sich auf illegale Bärenjagd und anderes ein, um sich etwas dazuzuverdienen. Doch als Thad sich bei einem Unfall die Hand bricht, kippt das fragile Gleichgewicht, welches die beiden Brüder bisher im Lot gehalten hat. Eine Geschichte aus einer rauhen Gegend mit einfachen Menschen, die meisterhaft erzählt ist, die uns die Protagonisten ans Herz wachsen und die Natur von Montana hautnah erleben lässt.
Annette Bjergfeldt, Mr. Saito's reisendes Kino
Argentinischer Tango, die Anfänge des Kinos, eine kleine Insel in Neufundland und hinreissende Protagonisten machen aus diesem Roman ein grosses Lesevergnügen. Lita und ihre Mutter Fabiola müssen wegen der politischen Unruhen in den 30er Jahren aus Argentinien verschwinden und landen per Zufall auf Upper Puffin Island in Nordkanada. Von der Grossstadt in eine kleine Dorfgemeinschaft ist eine grosse Umstellung, vor allem für Fabiola. Deshalb ist der Besuch von Mister Saito und seinem reisenden Kino jedes Jahr einer der ganz grossen Höhepunkte im Dorfleben. Doch was passiert, wenn Mr. Saito einmal nicht pünktlich eintrifft? Lesen Sie selbst, Sie werden es nicht bereuen!
Jasmin Schreiber: Da, wo ich dich sehen kann
Auch im neusten Roman von Jasmin Schreiber geht es einmal mehr um den Tod, genauer um einen Femizid: Was bedeutet die schreckliche Tat für die engsten Verwandten und Freunde des Opfers. Wie gehen die kleine Tochter, die Eltern des Täters, die Eltern der Getöteten und deren beste Freundin damit um?
Jasmin Schreiber hat es auch diesmal geschafft, trotz des traurigen Themas einen leichten Ton zu finden, so dass man gebannt liest und das Buch kaum aus der Hand legen kann. Die Geschichte erzählt eindrücklich, wie das Weiterleben trotz dieser schrecklichen Tat gelingen kann, wie alle Beteiligten unter grossen Mühen versuchen, zu einem lebenswerten Alltag zurückzukehren. Und am Ende keimt tatsächlich so etwas wie ein Hoffnungsschimmer auf.
Emilia Hart: Unbeugsam wie die See
Die kleine Meerjungfrau reloaded: Trotz Ausflügen ins Phantastische eine sehr reale Geschichte, die parallel in zwei verschiedenen Jahrhunderten spielt. Auf einem Sträflingsschiff, das kurz nach 1800 verurteilte Frauen von Irland nach Australien bringt und in der Gegenwart, in der zwei dieser Straftäterinnen in den Träumen von zwei sehr unterschiedlichen Schwestern herumspuken. Der Roman ist toll geschrieben und der Plot faszinierend konstruiert. Und dass man als Leserin am Ende des ersten Teils mehr weiss und ahnt als Lucy, die Hauptperson, gibt der Lektüre noch einen zusätzlichen Kick.
Barbara Kingsolver, Die Unbehausten
Ein baufälliges Haus in zwei verschiedenen Jahrhunderten ist der Dreh- und Angelpunkt dieser wunderbaren Geschichte. Was verbindet die Bewohner über die Jahrhunderte hinweg? Sowohl Ende des 19. Jahrhunderts als auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die Zeiten hart. Die Protagonisten kämpfen um finanzielle und ideelle Unabhängigkeit, suchen nach ihrem persönlichen Glück. Dieses sieht am Ende vielleicht ganz anders aus, als am Anfang erhofft. Ein warmherziger Roman über ungewöhnliche Persönlichkeiten.
Alina Bronsky, Essen
Geschichten über das Essen und was es für Alina Bronsky bedeutet.
Essen ist stark mit Kindheitserinnerungen verknüpft. Bei Alina Bronsky, die mit 12 Jahren nach Deutschland emigriert ist, auch mit einem Kulturschock. Weisse Brötchen mit Butter und Marmelade zum Frühstück, in ihrer Heimat völlig undenkbar. Da musste ein Frühstück zwingend warm und zum Löffeln sein. Wer die Romane von Alina Bronsky kennt, der weiss, wie toll sie erzählen kann. Und darum ist auch "Essen" viel mehr als nur eine Geschichtensammlung über Lebensmittel, sondern ein wahrer Lesegenuss!

