Lesetipps

@Roger Frei, Zürich

Neue Buchtipps

Karin Slaughter, Die falsche Zeugin

Zwei Schwestern die in einem lieblosen Umfeld aufgewachsen sind und schon früh auf sich selber aufpassen mussten. Sie werden 20 Jahre später mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Leigh die Anwältin ist, bekommt einen neuen Fall zugewiesen. Einen Fall der ihre Karriere fördern kann. Doch als sie ihrem Mandanten gegenüber steht, erschrickt sie. Es ist jemand aus ihrer Vergangenheit. Es stellt sich heraus, dass er mehr über sie und ihre kleine Schwester weiss, als es ihr lieb ist. Der schmale Grat zwischen Recht und Unrecht verwischt immer wieder. Sie muss sich entscheiden, was wichtiger ist, ihre Anwaltspflichten oder ihr eigenes Leben. Können die Schwestern es schaffen ihre Vergangenheit endlich hinter sich zulassen?

Karin Slaughter schafft es wieder einen packenden Thriller zu schreiben der einen so fesselt, dass man am liebsten auf dem Sofa sitzen bleiben will um zu lesen.

Nadine Jäger

Fatma Aydemir, Dschinns

Der türkische Kurde Hüseyin hat dreissig Jahre in Deutschland in einer Fabrik geschuftet, damit er sich an seinem Lebensabend den Traum von einer Wohnung in Istanbul erfüllen kann. Doch er ist noch nicht richtig eingezogen, seine Frau und die Kinder haben die Wohnung noch nicht gesehen, da stirbt er an einem Herzinfarkt.

Alle Familienmitglieder reisen zur Beerdigung nach Istanbul. Alle sind sie in Gedanken bei Hüseyin, ihrem Vater und Ehemann. Jeder in dieser Familie trägt seine Wunden und Verletzungen mit sich, die eng mit Hüseyin als Vater und Ehemann verbunden sind. Nacheinander erfährt man, was die vier Kinder und Emine, seine Ehefrau umtreibt und es wird dabei auch ein grosses Familiengeheimnis enthüllt. Es ist sehr berührend, wie diese Familie durch Tradition und Emigration geprägt wurde und was das bei den diversen Familienmitgliedern auslöst.

Eine lohnende Lektüre, die gut unterhält und zum Nachdenken anregt.

Nicole Marquis

Abbas Khider, Der Erinnerungsfälscher

Said lebt seit Jahren in Deutschland, als ihn die Nachricht erreicht, seine Mutter liege in Bagdad im Sterben. Da Said  nie ohne seinen deutschen Reisepass aus dem Haus geht, kann er umgehend in Frankfurt ein Flugzeug besteigen und in seine alte Heimat fliegen .Während seiner Reise in den Irak erinnert sich Said an seine Ankunft in Deutschland, seine Flucht, an seine Kindheit.. Doch sind die Erinnerungen real? Entsprechen sie wirklich dem, was geschehen ist? Und ist es wirklich so wichtig, dass  die Erinnerungen genau mit der Wirklichkeit übereinstimmen oder geht es nicht eher um ein Lebensgefühl, eine Stimmung und Emotionen, die einen mit der Erinnerung überkommen? Abbas Khider‘s Sprache ist erstaunlich dicht und präzis, jedes Wort sitzt, jeder Satz trifft einen mitten ins Herz. Dies ist umso erstaunlicher, weil Khider in Deutsch schreibt, einer Sprache, die er erst als Erwachsener gelernt hat. Ein schmales Werk von grosser Wucht!

Nicole Marquis

Sebastian Fitzek, Der Insasse

Guido T. hockt im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie und schweigt auf Rat seiner Anwältin. Er hat die Polizei schon zweimal zu zwei Kinderleichen geführt und beide Morde gestanden. Doch der sechsjährige Max ist seit einem Jahr spurlos verschwunden und alle Indizien zeigen zu Guido T. Jedoch bringen Indizien keine Verurteilung und die Mord-Ermittler brauchen Beweise und die Ermittler sind sich sicher, dass Guido T. auch den kleinen Max umgebracht hat.

Um den Kindermörder zu einem Geständnis zu locken, hecken die Ermittler einen waghalsigen Plan aus. Sie schleusen Max‘ Vater in die Gefängnis Psychiatrie ein, direkt zu Guido T. in den Hochsicherheitstrakt. Dafür bekommt er eine fingierte Krankenakte und ist ein falscher Patient, der so nah an Guido T. kommt wie kein anderer. Doch wird Guido T. seine Tat wirklich gestehen?

Ein unglaublich bewegender und packender Psychothriller von Sebastian Fitzek, den ich Ihnen allen nur anraten kann zu lesen!

Naomi Merane

 

Maike Nielsen, Ein neuer Horizont

Eleanor Ericsson, auch Nellie genannt, fliegt 1950 nach Korea um für die Chicago Post als erste weibliche Kriegsreporterin vom Krieg zwischen Nord- und Südkorea zu berichten. Südkorea wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von den Nordkoreanern überfallen, keiner hatte mit Kampfhandlungen gerechnet. Kriegsreporter sind nicht nur der Gefahr ausgesetzt diese Einsätze zu überleben, sondern müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und schnell die besten Berichte liefern. Nellie hat es an der Front besonders schwer, sie muss sich als Frau immer wieder gegen ihre männlichen Kollegen behaupten. Unterstützung findet Nellie bei dem Pressefotografen Jake, mit dem sie seit ihrem Zusammentreffen vor mehreren Jahren eine zarte Liebe verbindet. Auch jetzt erfolgt ihre Trennung nach kurzer Zeit, denn Jak soll Nachkriegsfotos des zerbombten Berlins machen und den Neuaufbau dokumentieren. Die Stadt, in der auch Nellies Mutter lebt.

Nellie wächst zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Laura auf dem Schiff ihrer Eltern auf. Die Zwillinge haben eine sehr starke Bindung zu einander. Doch Laura ist ums Leben gekommen, auch wenn Nellie nicht an ihren Tod glaubt. Mit den Gedanken bei ihrem Zwilling im Hinterkopf, agiert Nellie an der koreanischen Front mutig und scheut kein gefährliches Abenteuer, um den Menschen in den westlichen Ländern die Wahrheit über die Gräuel des Krieges näher zu bringen.

Dieser Roman von Maiken Nielsen ist vielschichtig, dramatisch und actionreich. Die Autorin vermag, die Historie des Koreakrieges und die Parallelen zur Trennung Berlins aufzuzeigen und ins Bewusstsein zu rufen. Mich hat die Vielschichtigkeit diese Romans begeistert und tief beeindruckt.

Barbara Eugster

 

 

Julia Quinn, The Duke and I

Teil 1 der Bridgerton-Serie

Man hofft, dass man nicht in Lady Whistledowns Kolumne beim Namen genannt wird und wenn schon, dann nur in einem positiven Licht. Doch eine Ausnahme ist Daphne Bridgerton, denn sie hat es nicht gross interessiert, als Lady Whistledown über sie schrieb. Die Ballsaison ist im vollen Gange und allmählich macht sich die Daphnes Mutter sorgen. Sie drängt Daphne möglichst bald einen Ehemann zu finden, bevor ihr Name von Lady Whistledown endgültig beschmutzt wird.

Zur gleichen Zeit reist der heiratsunwillige, aber sehr attraktive Herzog Simon Bassett von Hastings zurück in die Stadt. Es entsteht ein spannendes Spiel und wer ist Lady Whistledown überhaupt?

Julia Quinns witziges und romantisches Buch ist eine perfekte Mischung aus Gossip Girl, Regency und Jane Austen.

Naomi Merane

 
 

Salvatore Basile

Der Junge, der ans Meer glaubte

Der 18-jährige Marco ist einsam und heimatlos. Seit er ein Baby war, wurde er von einer Pflegefamilie zur anderen weitergereicht. Auch die letzte Pflegefamilie, bei der er sich richtig wohlfühlte, wollte ihn nicht adoptieren und so wurde er volljährig vor die Tür gesetzt. Er wohnt mit einem Freund in einer WG, wo kein Mensch wohnen würde und arbeitet in einem Schwimmbad als Reinigungskraft. Nur wenn er abends heimlich vom Springturm ins Wasser eintaucht, empfindet er das Gefühl von Freiheit. Doch der Rausch der Schwerelosigkeit lässt ihn eines Tages übermütig von einer Klippe ins Meer springen. Schwer verletzt wacht er im Krankenhaus wieder auf.

 

Feinfühlig, melancholisch und mit einer Prise Humor gewürzt erzählt Salvatore Basile eine Geschichte über die Bedeutung der Familie, Selbstfindung und Neuanfang. Es ist ein tiefgründiger, hoffnungsvoller Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

 

Barbara Eugster

Anthony Doerr

Alles Licht das wir nicht sehen

Pulitzer-Preis für Literatur, 2015

 

1944 in Saint-Malo: Die blinde Marie-Laure ist auf der Flucht mit ihrem Vater. In ihrem Gepäck ist ein wertvoller Schatz des "Muséum National d'Histoire Naturelle". Werner Hausner, ist ein Waisenjunge mit einer Affinität für alles Technische, der bei einer Spezialeinheit der Wehrmacht gelandet ist. In den Mix kommt noch ein geheimnisvoller Radiosender, der die Résistance mit Daten versorgt.

 

Wie die Schicksale der beiden Protagonisten sich kreuzen und was es mit dem Radiosender auf sich hat, schildert Anthony Doerr in diesem hochspannenden Roman.

 

Naomi Merane