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Lese - Tipp für den Monat November


Geschichte – Liebe – Schicksal - Krieg 

1914 der erste Weltkrieg bricht aus und der 22 jährige Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich freiwillig an die Front und landet in einem Lazarett in den Karpaten. Die Zustände sind schrecklich. Verstümmelte schwer verletzte Männer: übelste Kopfverletzungen, herausquellende Därme, stinkender Eiter, Amputationen. Und zwischen all den Patienten Heerscharen von Läusen und Ungeziefern, die Typhus übertragen, Ratten die, die Nachruhe stören, Hunger und Kälte. Nichts konnte den jungen Mann, der noch nie ein Skalpell in der Hand hatte, auf seine Aufgabe vorbereiten, die Verwundeten zusammenzuflicken und als Kanonenfutter zurück an die Front zu schicken. Völlig überfordert steht ihm die erfahrene Nonne Margarete bei. Zur grössten  Herausforderung  für Lucius werden die Patienten, die äußerlich unverletzt sind: die Nervenschock-Fälle. Diese sind nicht ansprechbar, kommunizieren nicht, sind apathisch. Ein solcher Fall ist der Wintersoldat. Lucius begeht einen folgenschweren Fehler, der sein Leben und das von Margarete für immer verändern wird.

Ein aufwühlendes und unvergessliches Buch. In einer Rezension las ich

"Der Wintersoldat" hat die Wucht von "Dr. Schiwago" und die Zärtlichkeit von "Der englische Patient". und dem kann ich nur zustimmen!

 

   Lese - Tipp für den Monat Oktober


Stürmische Herbsttage – dunkle Zeiten und genau passend zu dieser Zeit las ich den Roman von Erik Fosnes Hansen. Auf vielschichtige Art erzählt der Autor die Geschichte. Wir erleben die Grossmutter, die aus Wien stammt und Sissi und ihrem Oesterreich noch immer nachtrauert, den Grossvater, der nicht wahrhaben will, dass das Hotel vor dem Ruin steht und Jim den Koch und treuen Freund, der ausgezeichnete Meeresfrüchtemahlzeiten zubereitet und natürlich Sedd, der in dieser kargen Landschaft aufwächst. Er begleitet Gruppen von Fischern in abgelegene Bergtäler, amtet als Fremdenführer, arbeitet als Laufbursche im Hotel oder bringt der Bankierstochter des Ortes das Schwimmen bei. Sedd versucht auch dem Familiengeheimnis um die verschwundene Mutter und seinem Vater, der angeblich ein indischer Arzt gewesen sein soll auf die Spur zu kommen.

Mit viel Vergnügen las ich diese stimmungsvolle, ruhige und sprachlich sehr schöne Geschichte aus dem Hohen Norden.

 
 

   Lese - Tipp für den Monat September


 

 

 

 

Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Wienerin Greta, die mit dem aus England stammenden Albert verheiratet wird. Albert gehört dem britischen Teil der jüdischen Bankiers-Familie Goldbaum an. Greta ist eine emanzipierte Frau, die sich aber dennoch sehr bewusst für die Ehe mit dem ihr völlig unbekannten Mann Albert entscheidet.

Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges verdüstert sich das Schicksal der Familie Goldbaum. Der Antisemitismus nimmt zu, die Fremdenfeindlichkeit bekommt auch Greta zu spüren. Das Schicksal der Goldbaums ist sehr eng mit dem Zeitgeschehen verknüpft. Finanzielle Verstrickungen von Bankhäusern und Politik, gegenseitige Ausbeutung und Verrat geben einen Einblick in das jüdische Alltagsleben. Als Bankiers und Geldgeber werden sie hoch geachtet, gesellschaftlich sind sie oft unerwünscht und werden zurückgewiesen.

 

Die Autorin verstand es sehr gut in diesem Kontext einen spannenden Roman zu schreiben, dessen Schauplätze sich in Oesterreich, Frankreich, der Schweiz, Russland und England befinden. Zudem hat die Autorin die Zeitgeschichte sehr genau recherchiert.

 

Auch für historisch interessierte Leser zu empfehlen

 

 

 

 

   Lese-Tipp für den Monat August


 

Der neue Roman von Colson Whitehead basiert auf einer wahren Geschichte anfangs der 60er Jahre.Elwood, der 16 jährige junge Schwarze, lebt bei seiner Grossmutter, ist ein ausgezeichneter Schüler und hat Ambitionen das College zu besuchen. Als er eines Tages Autostopp macht, hat er das Pech in ein gestohlenes Auto einzusteigen. Die Polizei hält das Auto an und Elwood wird, obwohl nur Passagier, ohne Anhörung in die Besserungsanstalt Nickel eingeliefert. Er ist schuldig, weil er Schwarz ist, das ist in einem vom Rassismus geprägten Land Grund genug.Die „Besserungsanstalt“ liegt in Florida und ist ein Ort des Grauens, des Schreckens ja sogar des Todes.Aber Elwood resigniert nicht. Im Gegenteil, er will sich so verhalten, wie vorher in seinem Leben, fleissig, zuvorkommend und höflich sein. Die Worte und Aussagen von Martin Luther King im Ohr. Weil er einen Streit zwischen Jugendlichen schlichten will, macht er Bekanntschaft mit dem gefürchteten Folterhaus und wird aufs brutalste ausgepeitscht.Lesen Sie das Buch und erfahren Sie wie die Geschichte mit  dem jungen Schwarzen Elwood weitergeht.Nur so viel noch: die erschütternden Vorgänge von denen Colson Whitehead hier schreibt, beruhen auf Tatsachen. Als auf dem Gelände der Besserungsanstalt ein Neubau errichtet werden sollte, wurden bei Grabarbeiten die Leichen von 43 Menschen gefunden.

Colson Whitehead hat die Fähigkeit einen spannenden Roman über ein sehr komplexes und brisantes Thema den Rassismus zu schreiben. Das Buch lässt sich schon fast als Reportage lesen.Die Chancenlosigkeit von Schwarzen, das rassistische System dieser Zeit, lässt mich als Leser betroffen und sprachlos zurück. Die positive Darstellung von Elwood und seine mentale Stärke machten es aus, dass ich das Buch sehr gern gelesen habe.

Das zuvor erschienene Buch von Colson Whitehead „Underground Railroad“ ist ebenfalls im Bestand der Bibliothek Volketswil.

 

 
 

Lese - Tipp für den Monat Juli


In ihrem neuen Roman mit dem harmlosen Titel „Das Geburtstagsfest" erwartet der Leser allenfalls einen unterhaltenden Familienroman. Dem ist aber nicht so. Judith Taschler’s Geschichte spielt in Kambodscha der 1970 Jahre. Kim Mey lebt mit seinen Brüdern bei seinem Vater. Die Mutter starb bei der Geburt des jüngsten Kindes. Der Vater verfällt immer mehr dem Alkohol und vernachlässigt seine Söhne. Der vermögende Hotelier Chhang nimmt Kims Familie in sein Wohltätigkeitsprojekt auf. Die schöne sorglose Zeit währt aber nur kurz: die Rote Khmer erobert das Land und auch die Familie Chhang wird vertrieben. Mit der jüngsten Chhang-Tochter Tevi gelingt Kim die Flucht nach Thailand. Aufgrund eines Fehlers beim Asylantrag als Austria mit Australia verwechselt wird, gelangen die beiden Jugendlichen nach Oesterreich, wo sie als Pflegekinder aufgenommen werden. Sie versuchen die Gräuel ihrer Kindheit zu vergessen, werden erwachsen, verlieren sich aus den Augen. – Bis zu dem Tag, als Kim seinen 50. Geburtstag feiert und sein jüngster Sohn Jonas die Idee hat, eben diese besagte Tevi zum Fest einzuladen. Den Kindern wurde erzählt, dass ihr Vater diesem Mädchen Tevi einst das Leben gerettet hat. Tevi zögert zuerst, die alten Bekannten wiederzusehen und auch Kim scheint wenig erfreut zu sein über ihr Erscheinen. Einiges muss in der unbekannten Vergangenheit passiert sein. Aus unterschiedlichsten Gründen verschweigen sie die Wahrheit, denn es handelt sich um viel mehr als ein Beziehungsdrama … was geschah damals wirklich in Kambodscha?

Judith Taschler gelingt es eine unglaublich spannende Beziehungsgeschiche zu erzählen, aber auch die traurige Geschichte Kambodscha‘s unter der schrecklichen Terrorherrschaft der Roten Khmer.

Ein sehr emotionaler Roman, aber grossartig geschrieben und sehr berührend, den ich nur wärmstens empfehlen kann.

Lese-Tipp für den Monat Juni


Das schöne Cover mit der Biene und dem tropfenden Honig ist so passend für diese spannende Geschichte aus Japan!

Kazuhisa Fukase lebt ein unauffälliges Leben . Er arbeitet in einem Betrieb für Büroartikel und ist für den Vertrieb zuständig. Er hat ein grosses Hobby, ja schon fast eine Leidenschaft, nämlich das Zubereiten von Kaffee. Er lebt sehr zurückgezogen und bescheiden. Eines Tages bekommt seine Freundin einen Brief. Darin steht nur ein Satz: Kazuhisa Fukase ist ein MördeDiese Aussage zwingt Fukase sich der Vergangenheit zu stellen. Vor drei Jahren fuhr er zusammen mit vier Studenten aus Tokio in ein abgelegenes Bergdorf in die Ferien. Nur vier von ihnen sind damals aus diesem Urlaub zurückgekehrt. Was war  passiert in jener Nacht, bei Sturm und Dunkelheit, als keiner mehr nüchtern genug war um ein Auto lenken zu können und der letzte, verspätete Freund noch vom Bahnhof abgeholt werden musste?

Fukase nimmt Kontakt zu seinen alten Studienkollegen und erfährt, dass diese ebenfalls anonyme Briefe erhalten haben, in denen sie des Mordes an ihrem Freund beschuldigt werden. So macht sich Fukase auf die Suche nach der Wahrheit und diese ist schlussendlich sehr schmerzlich. Erschreckend wie leicht sie alle ihr Leben lebten ohne sich Gedanken zu machen und sich erst besinnen als sie plötzlich bedroht wurden. Und man merkt wie wenig die Freunde auch voneinander wussten.

Das Buch endet mit einem WOW Effekt, den ich so nicht erwartet habe. So viel sei verraten, das schöne Cover bekommt eine grosse Bedeutung!

Unbedingt lesen, nicht nur für Japan-Fans