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Lesetipp im November


Golz Manuela, Sturmvögel

Emmy ist eine glückliche, sechsundachtzig Jahre alte, vorlaute Dame, die ein langes, aber hartes Leben hinter sich hat. Geboren auf einer kleinen Insel in der Nordsee Anfang des 20. Jahrhundert. Ihre Kindheit ist hart, geprägt von Arbeit und straffen Vorgaben, aber liebevoll begleitet von ihren Eltern. Als sie nach deren Tod mit 14 Jahren nach Berlin verschickt wird, um als Dienstmädchen zu arbeiten, lernt sie mutig ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Es ist ein weiter Weg, den Emmy Seidlitz in ihrem Leben zurücklegt, viele schwere Stunden hat sie erlebt. Trotz allem behält Emmy ihren Humor. Sie ist extrem ehrlich und hat eine unglaubliche Beobachtungsgabe, die einfach entwaffnend ist. Ihr entgeht nichts und sie hält auch nicht mit ihrer Meinung zurück.
Wenn man ihre tragische Familiengeschichte kennt, ist es erstaunlich wie unbeschwert sie durchs Leben geht.

In verschiedenen Handlungssträngen und mehreren Zeitebenen erfährt der Leser nach und nach mehr von Emmys Leben, lernt sie von vielen Seiten kennen. Das Geheimnis aus ihrem Keller begleitet ihre Geschichte bis zum Ende des Buches.

Die Autorin Manuela Golz verwendet als Vorlage für ihren Roman, das Leben ihrer Grossmutter, hinter dieser Erzählung steckt viel Respekt für diese Frau. Die Erzählung bleibt dabei immer sehr realistisch, die Personen und ihre Erlebnisse sind sehr glaubwürdig.

Die Geschichte von Emmy, die bereits in den frühen Tagen ihrer Kindheit Stärke zeigen musste, ist sehr berührend geschrieben. Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.

Barbara Eugster

Lesetipp im Oktober


Meldungen in den Medien über Flüchtlingsdramen sind bei uns schon fast Alltag.  Wir lesen ihre Geschichten und Schicksale am Beispiel von Chochana, sie ist Jüdin aus Nigeria und flieht vor grosser Armut und Perspektivlosigkeit. Semhar ist Christin und kommt aus Eritrea. Sie möchte dem Jahre andauernden Militärdienst entfliehen. Die Afrikanerinnen verbringen Monate in Unterkünften, die menschenunwürdig sind. Sie müssen das Geld für die Schlepper-Organisationen mühsam von ihren Freunden und Familien zusammenkratzen. Sie werden von den Schleppern vergewaltigt, geschlagen und erniedrigt. Im Gegensatz zur verwöhnten, reichen Muslimin Dima, ihr Mann und die beiden Kinder sind Bürgerkriegs-Flüchtlinge aus dem syrischen Aleppo. Sie sind mit dem Flugzeug nach Libyen angereist und sind privilegiert sich einen Platz auf dem Flüchtlingsboot aussuchen zu dürfen.

Die tragische verlaufende Überfahrt auf dem Meer und die dramatisch geschilderten Zustände auf dem Boot haben sich im Jahre 2014 tatsächlich ereignet. Der Autor schildert schockierend die Ungleichheit der Flüchtlinge, die verängstigten Menschen, die der Naturgewalt des Mittelmeeres und der Gewalt der Schlepper hilflos ausgeliefert sind. Alle haben nur ein Ziel die blaue Mauer, das Mittelmeer, zu überwinden.

Mit dem vorliegenden Buch erhalten drei betroffene Frauen ein Gesicht und eine Stimme.

Yvonne Meili

 

Lesetipp im September


Ayelet Gundar-Goshen, Wo der Wolf lauert

Das jüdische gutsituierte und vermögende Ehepaar Lilach und Michael Schuster lebt mit ihrem Sohn Adam schon seit vielen Jahren in Kalifornien. Dann wird durch das Attentat eines jungen, psychisch labilen Mannes in der lokalen Synagoge ein junges Mädchen getötet. Die Glaubensgemeinschaft ist erschüttert.

Kurze Zeit später kommt es in der Schule von Adam bei einer Party zu einem Tötungsdelikt. Der Afroamerikaner Jamal stirbt an einer Überdosis Meth. Weil Adam in der Hausgarage mit chemischen Substanzen experimentiert, wird er verdächtigt, für Jamals Tod verantwortlich zu sein.

Die Eltern melden Adam zu einem Selbstverteidigungskurs an. Mit dem Besuch dieses Kurses beginnt sich Adam zu verändern, besonders die abgöttische und bedingungslose Verehrung seines Trainers Uri wird Lilach unheimlich. Ihr Mann Michael hingegen verteidigt die harten Trainingsmethoden und merkt gar nicht, wie seltsam es ist, dass ausgerechnet dieser Mann in Michaels Firma arbeiten will, die Software für Waffensysteme entwickelt. Die Mutter erkennt ihren Sohn kaum noch. Sie wird immer hellhöriger und beginnt zu zweifeln, besonders als sie erfährt, dass das Verhältnis ihres Sohnes zum toten Jungen nicht ohne Probleme war und Adam in der Schule gemobbt wurde.

Ein sehr spannender und vielschichtiger Roman und Thriller um die Themen Rassismus, Antisemitismus aber auch ein Buch um eine Mutter-Sohn-Beziehung.

Yvonne Meili

 

Lesetipps im August


Ute Mank, Wildtriebe, dtv

3 Frauen, 3 Generationen und ein Familiengeheimnis auf einem Bauernhof in Hessen

Als Marlies Konrad heiratete, wusste sie nicht so richtig, auf was sie sich eingelassen hatte. Das Leben mit der Schwiegermutter ist nicht einfach, aber Marlies gibt sich Mühe, nimmt sich aber auch immer wieder kleine und grössere Freiheiten. Sie macht den Jagdschein, arbeitet in einem Kaufhaus und besteht darauf, nur ein Kind zu bekommen.

As Leben plätschert so dahin und als ihre Tochter schlussendlich einen gänzlich anderen Lebensweg wählt, als den, den Marlies sich für sie gewünscht hat, bringt das auch das Leben der Mutter ganz schön durcheinander.

Eine spannende Lektüre über drei Frauen, die alle geprägt werden von der Umgebung in der sie leben und die die unterschiedlichsten Wege zu einem erfülltem Dasein suchen.

Nicole Marquis


Romina Casagrande, Als wir uns die Welt versprachen

Die Südtirolerin Edna ist beinahe 90 Jahre alt, lebt zurückgezogen in ihrem alten Haus mit verwunschenem Garten. Als sie in ihrer Lieblingszeitschrift ein Foto und einen Artikel über ihren Jugendfreund Jakob entdeckt. Mit ihm verbindet sie eine schmerzvolle, traumatische Zeit im Kindesalter. Beide waren sie verarmte Schwabenkinder und mussten weitab ihrer Heimat, im deutschen Ravensburg auf einem Bauernhof hart für Kost und Logis arbeiten. Jakob hat seiner „Zimperliese“ immer geholfen. Doch der Beginn des zweiten Weltkrieges hat sie plötzlich getrennt und sie haben sich aus den Augen verloren. Edna weiss jetzt, sie muss das vor langer Zeit gegebenes Versprechen einlösen. Kurzentschlossen macht sie sich, zusammen mit ihrem Papagei Emil, auf den weiten Weg nach Ravensburg zu Jakob.

Der Roman wechselt zwischen der früheren Kinderzeit auf dem Bauernhof und Ednas Reise. 

Die Geschichte von Edna und Jacob ist zwar fiktiv, könnte sich aber so zugetragen haben.

Edna trifft auf ihrer Reise verschiedenste Personen und es kommt zu Begebenheiten, die teilweise skurril anmuten. Dennoch überzeugt Ednas eiserner Wille, diese Reise unbedingt nach ihren Vorstellungen durchzuführen. Ich fieberte mit ihr mit und spürte die Anstrengungen, die ihr abverlangt wurden. 
Mir hat dieses Buch insgesamt sehr gut gefallen, besonders die Thematik der „Schwabenkinder“, die neu für mich war, fand ich interessant und berührend. Ein absolut empfehlenswerter Roman.

Barbara Eugster

Lesetipps im Juli


Nicci French, Blauer Montag

Frida Klein ist eine Psychologin mit Gespür. Unkonventionell, aber sympathisch.

Als der 5jährige Matthew spurlos verschwindet, beschäftigt dies ganz London. Frida verfolgt die Berichtserstattung und beginnt Parallelen zu den Therapiesitzungen mit einem ihrer Patienten zu erkennen. Dieser Patient ist kinderlos hat aber einen riesigen Kinderwunsch und das geschilderte Wunsch-Kind gleicht haargenau dem verschwundenen Matthew. Ist nun ihr Patient ein Psychopath? Verdächtigt Sie den Falschen? Wie soll sie nun vorgehen?

Zusammen mit Inspector Karlsson findet Frida auch noch Verbindungen zu einem 20-jährigen Fall. Doch wie sind die Verbindungen zu ihrem Patienten?

‚Blauer Montag‘ ist ein packender Thriller und der grandiose Auftakt einer Serie mit der Psychologin Frida Klein.

Bei uns in der Bibliothek ist die ganze Serie als Buch erhältlich. Bei DibiOst ebenfalls sämtliche Bände als e-book und einzelne auch als e-Audio.

Simone Wiedmer


Brandon Taylor, Real Life

Wallace arbeitet als Biochemie-Doktorand in einer Stadt im mittleren Westen der USA. Als es bei seiner Forschungsarbeit wegen einer Verunreinigung der Wurmstämme zu einem massiven Rückschlag seiner Studien kommt wird Wallace aus der Bahn geworfen. Zweifel kommen ihm, war es sein Fehler, ein Zufall oder gar ein böswilliges Eingreifen einer Kollegin, mit der Wallace schon öfters Probleme hatte. Er wird von seiner Vorgesetzen zu einem Gespräch zitiert und plötzlich ist sich Wallace nicht mehr sicher, ober er vom Institut weggewiesen werden soll. Selbstzweifel plagen und lähmen ihn. Sind die Anschuldigungen etwa rassistisch bedingt, er ist nämlich der einzige und erste Schwarze, der es am Institut so weit gebracht hat. Die schwarze Hautfarbe und dazu noch seine heimlich gelebte homosexuelle Beziehung mit Miller, machen ihn zu einem Aussenseiter. Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, die geprägt war von Schwierigkeiten, einer trinkenden Mutter und einem gefühlskalten und distanzierten Vater bedrücken Wallace noch zusätzlich. Gelingt es Wallace sein Leben in den Griff zu bekommen?

Eine spannende und etwas andere Geschichte mit psychologischer Finesse zum Thema „Schwarz-Weiss“.

Yvonne Meili

Lesetipp im Juni


Alexander Gorkow, Die Kinder hören Pink Floyd

70er Jahre, deutsche Provinz, besserer Vorort: das ist Gorkows Kindheit. Der autobiographische Roman ist ein wahrer Lesegenuss!

Alexander Gorkow wächst mit seiner sechs Jahre älteren, herzkranken Schwester, dem Kind Nummer eins, in behüteten Verhältnissen auf. In den Vorgärten werden die Rosen mit Pestiziden besprüht, in den Küchen wird Quittengelee gekocht und die Kinder hören Pink Floyd… Alexander wird von seiner grossen Schwester in die Welt dieser Musik eingeführt und von diesem Moment an, sind Pink Floyd auch seine grossen Helden. Während der kleine Alexander von Heinos Auftritten im Fernsehen Albträume bekommt, setzt die englische Band einen positiven Kontrapunkt in seinem Leben. Denn das Leben als kleiner Junge in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ist nicht immer nur ein Zuckerschlecken. Gorkow erzählt wunderbar von dieser Zeit und alle Leserinnen und Leser, die in den 70er Jahren Kinder waren, werden vielen eigenen Erinnerungen wieder begegnen.

Nicole Marquis