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Alex Capus, Königskinder, Hanser

Eine kleine feine Liebesgeschichte in der der Tradition der Novelle geschrieben, Kurz, knapp mit einer Rahmengeschichte. Diesel spielt in der Gegenwart. Tina und Max werden bei einer Fahrt über den Jaunpass vom Winter überrascht und werden eingeschneit. Um sich die Zeit bis zum nächsten Morgen zu vertreiben, beginnt Max eine Geschichte zu erzählen, die sich in dieser Gegend zur Zeit der französischen Revolution ereignete.

Jakob Boschung, ein einfacher Alphirt verliebt sich die schöne Tochter des reichsten Bauern im Ort. Dass diese Liebe nicht so einfach gelebt werden kann, versteht sich von selbst, zu gross ist das gesellschaftliche Gefälle. Und dann kommt noch das Militär dazwischen und wie wenn das nicht genug wäre, pfuscht auch noch die Schwester der französischen Königs in Jakobs Leben hinein. Doch sie ist es schlussendlich auch, die es möglich macht, dass Jakob und Marie doch noch zusammen kommen können.

Capus ist ein grosser Erzähler, geschickt verwebt er die Erzählung mit den Begebenheiten im Heute, mit Max und Tina, diesem Paar, das schon lange zusammen ist, sich gut kennt und gut zusammen funktioniert. Die Lacher schleichen sich immer dann ein, wenn Tina Max‘ Geschichte kommentiert, wenn es ihr zu viel Kitsch oder Zufälle zu haben scheint.

Ein wunderbares Leseerlebnis, eine leichte Lektüre, die aber nachhaltig beglückt!


 

Celeste Ng, Kleine Feuer überall, DTV

Ngs zweiter Roman steht seinem Vorgänger „Was ich euch nicht erzählte“ in nichts nach!

Eine Familiengeschichte voller Geheimnisse, Missverständnisse und beengenden Konventionen.

Auch in „Kleine Feuer überall“ geht es um Familiengeheimnisse, verdrängte Tatsachen, Ängste und Halbwahrheiten innerhalb zwischenmenschlichen Gefügen. Und trotzdem ist dieser Roman eine völlig eigenständige Geschichte, die wiederum einen fesselnden Sog entfacht, dem man sich nur sehr schwer entziehen kann.

In Shaker Heights, einem beschaulichen Vorort von Cleveland wohnen lauter vermeintliche Bilderbuchfamilien. Unter anderem auch die Richardsons mit ihren drei Kindern. Elena, die Mutter, hat eine soziale Ader, deshalb vermietet sie ihr kleines Zweithaus auch immer günstig an Menschen, mit denen es das Leben nicht so gut meint. Die neusten Mieter sind die Künstlerin Mia Warren und ihre Tochter Pearl. Nachdem Pearl sich mit ihren eignen Kindern angefreundet hat, fängt Elena an, in Mias Vergangenheit zu graben und findet Dinge heraus, die ihrer aller Leben für immer verändern wird.

Das Buch ist in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden und es ist bereits eine TV-Serie in Planung, mit Reese Witherspoon in der  Hauptrolle.

 


Vivek Shanbhag, Ghachar Ghochar, Aufbau Verlag

Der Aufstieg einer Familie aus Südindien

Auf 150 Seiten lässt Shanbhag ein Bild Indiens auferstehen, dass so üppig und dicht ist, dass man am Ende der Lektüre meint, mindestens 500 Seiten gelesen zu haben.

Chikkappa, der Onkel des Ich-Erzählers ist das Oberhaupt der Familie geworden, nachdem er einen florierenden Gewürzhandel aufgezogen hat. Der Rest der Familie ist pro forma bei ihm angestellt und an der Firma beteiligt, finanziell geht es allen gut, viel besser als früher, als alle noch vom Einkommen des Vaters, der als Handelsvertreter unterwegs war, leben mussten.

Doch sind nun auch alle von Chikkappa abhängig und müssen dadurch auf ein eigenbestimmtes Leben verzichten. Das wird dem jungen Mann erst so richtig bewusst, nachdem er geheiratet hat und seine Frau Anita sich nicht einfach so nahtlos in das Familienleben einfügen will. Konflikte und Selbstzweifel sind vorprogrammiert, das Leben aller Beteiligten wird  immer schwieriger, bis ein Eklat alles in Frage stellt.

Vivek Shanbhag wurde schon der indische Tschechow genannt, eine Bezeichnung, die sicher ihre Berechtigung hat!


Wolf Haas, Junger Mann, Hoffmann & Campe

„Er ist ein bisschen zu dick und zu jung für sie. Sie ist ein bisschen zu schön und zu verheiratet für ihn.“

Ein Balkan Roadmovie der anderen Art: Für alle Liebhaber von schrägem Humor ein unbedingtes Muss!

Der Österreicher Haas kann auch ohne „Brenner“ und das ebenfalls ganz wunderbar. Sein neuster Roman ist kein Krimi und den Kommissar Brenner sucht man darin auch vergeblich.

Dafür gibt es einen 13 jährigen Ich-Erzähler, der das erste Mal in seinem Leben total verliebt ist. Für Elsa, die Frau eines 10 Jahre älteren Bruders eines Mitschülers, beschliesst der dickliche Jugendlich sogar ernsthaft abzunehmen. Dass Elsa seine Gefühle nicht erwidert, blendet der Junge vollkommen aus. So kommt es auch, dass er mit Elsas Mann, dem Tscho, einem Lastwagenfahrer auf den Balkan mitfährt, angeblich, um bei einer Übersetzungsgeschichte am griechischen Zoll zu helfen.

Haas erzählt in seiner typischen ironischen und trockenen Sprache von den Abenteuern der beiden auf der langen Fahrt so packend, dass man das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen kann. Und er hat selbstverständlich auch noch ein paar Überraschungen auf Lager, die Geschichte nimmt eine Wendung, die man so nicht erwartet hat.

Unbedingt lesen!